EHEC

dies ist eine Zusammenfassung eines Vortrages, den ich anlässlich einiger EHEC-Infektionen in Niedersachsen 1998 hielt.

EHEC-Bakterien sind in den letzten Jahren als Ursache schwerer Durchfälle bekannt geworden und haben in besonders schweren Fällen zu einer Schädigung der Nieren, gefolgt von Nierenversagen geführt, die als hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) bezeichnet wird. Besonders gefährdet sind Säuglinge, Kleinkinder, ältere und abwehrgeschwächte Menschen.

Was sind EHEC-Bakterien?

Escherichia coli gehört in der Bakteriensystematik zur Familie der Enterobakteriaceen, denen auch "klassische" Durchfallerreger, wie die Salmonellen und Shigellen (Ruhrerreger) zugeordnet werden. Der Keim ist ein durch Geißeln sehr bewegliches Stäbchenbakterium, das seinen primären Standort im Darm von Mensch und Säugetier hat, wo er eine wichtige Rolle beim Erhalt der Darmphysiologie spielt.
Besondere Bedeutung haben in den letzten Jahren die Enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) erlangt. Im Vergleich zu anderen pathogenen Escherichia coli sind sie in der Lage, sehr verschiedene Krankheitsbilder hervorzurufen. Sie bilden Zellgifte, die den Toxinen der Ruhrerreger (Shigellen) chemisch sehr ähnlich sind.
Neben der Toxinbildung sind für die Auslösung einer EHEC-Infektion weitere Faktoren notwendig, wie die Bildung von Hämolysinen (toxische Enzyme) und spezifische Oberflächenstrukturen für die (art)spezifische Anheftung an die Darmschleimhaut.

Was sind die Symptome einer EHEC-Infektion?

Die Symptome einer EHEC-Infektion sind schwere Bauchkrämpfe, gefolgt von wäßrigem Durchfall, der oft blutig wird. Manchmal kommt dazu Erbrechen und Übelkeit verbunden mit leichtem Fieber. Beim Auftreten dieser Symptome sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Vor allem bei Kindern und älteren Menschen kann die Infektion zu Komplikationen einschließlich Nierenversagen führen.

Eine EHEC-Infektion kann aber auch symptomlos bleiben. Gesunde Infizierte scheiden Erreger ebenfalls aus und gefährden ihre Umgebung bei mangelnder persönlicher Hygiene.

Wo kommen EHEC-Bakterien vor?

Als Quellen für EHEC-Infektionen werden die Übertragung der Keime von Mensch zu Mensch sowie rohes und unzureichend durchgegartes Rindfleisch und rohe oder unzureichend erhitzte Milch beschrieben.
Nachgewiesen wurde der Erreger aber auch in Lamm- und Geflügelfleisch und anderen Lebensmitteln wie Wurstwaren, Fisch, Kartoffeln, Salat und Gemüse. Auch Kontakte mit Tieren oder Tierkot (insbesondere bei Wiederkäuern) können Ansteckungsquellen sein.

Wie kann man sich vor Infektionen schützen?

  • Gründliches Kochen und Braten tötet EHEC-Bakterien ab und inaktiviert die von ihnen gebildeten Giftstoffe. Für Garzeiten bei Speisen sind mindestens 70°C für 10 Minuten einzuhalten (besondere Beachtung beim Kochen in der Mikrowelle). Fleisch, Geflügel und Fisch sollten durchgegart werden.
  • Das gilt insbesondere für Gerichte aus Hackfleisch, bei dem beim Zerkleinern die Keime von der Oberfläche tief ins Innere gelangen.
  • Säuglinge, Kleinkinder, ältere und abwehrgeschwächte Menschen sollen aus Vorsorgegründen auf den Verzehr von rohen Lebensmitteln tierischer Herkunft verzichten.
  • Nach dem Einkauf ist es wichtig, alle rohen, verderblichen Lebensmittel unverzüglich im Kühlschrank zu lagern oder tiefzugefrieren. Sie sollen nie länger als 2 Stunden außerhalb des Kühlschranks liegen; Hackfleisch soll am selben Tag verarbeitet werden. Einfrieren tötet Coli-Bakterien nicht ab, sondern verhindert nur die weitere Vermehrung.
  • Die Übertragung von Keimen auf andere Lebensmittel (Salat, Gemüse, Obst etc.) muß unbedingt vermieden werden:
  • Beim Auftauen von Fleisch oder Geflügel Auftauwasser sorgfältig entfernen.
  • Hände, Gerätschaft und Arbeitsflächen nach dem Kontakt mit rohem Fleisch oder Fisch gründlich mit heißem Wasser und Reinigungsmittel waschen.
  • Zum Aufwischen von ausgetretenem Fleischsaft besser Papiertücher statt Textillappen verwenden und diese dann sofort wegwerfen. Es wurde nachgewiesen, daß EHEC-Bakterien eingetrocknet monatelang auf Küchenbrettern und Edelstahlflächen (z. B. von Großküchen) überleben können.
  • Auf gute persönliche Hygiene achten, vor allem nach dem Besuch der Toilette. Wasser, das nicht ausdrücklich als Trinkwasser ausgewiesen ist, sollte nicht getrunken werden.