Seit dem 1. Januar 2004 ist die sogenannte Gesundheitsreform mit vielen Änderungen für Patienten und auch Ärzte/Apotheker in Kraft getreten.
In meinen Augen insgesamt ein unausgegorenes Gesetz mit erheblichen Belastungen für die Patienten!

Kassengebühr

Patienten müssen nun beim 1. Arztbesuch pro Quartal 10 Euro bezahlen. Auch bei (nicht geplanten, erstem) Notdienstbesuch werden erneut 10 Euro fällig. Weitere Arztbesuche sind mit Überweisung (am besten des Hausarztes) kostenfrei, ohne Überweisung werden wieder 10 Euro fällig.

Auch der erste Zahnarztbesuch kostet 10 Euro pro Quartal.

Nicht zahlen müssen:

Die in den vergangenen Jahren von den Krankenkassen ausgestellten Zuzahlungsbefreiungen sind allerdings mit dem 1.1.2005 ungültig. Die Zuzahlungsbefreiung muss von den Krankenkassen im Jahr 2005 neu ausgestellt werden.Die Praxisgebühr müsste eigentlich Kassengebühr heissen, denn das Geld bekommt die Krankenkasse, nicht die Praxis.

Rezeptgebühr

Auch hier ergeben sich erhebliche Mehrbelastungen für den Patienten!

Zu jedem rezeptpflichtigen Medikament muß ein Patient nun mindestens 5 Euro, maximal 10 Euro zuzahlen. Und zwar auch, und das finde ich besonders bizarr, wenn das Medikament selbst z.B. nur 90 Cent kostet.

Der Apotheker bekommt nun 8,10 Euro plus 3 % des Einkaufspreises für das Herüberreichen des Medikamentes. Dazu kommen dann noch 16% Mehrwertsteuer. D.h., selbst wenn das Medikament nichts kosten würde, entstehen Kosten von 9,40 Euro!

Rezeptfreie Arzneimittel zahlen die Krankenkassen künftig nur noch in besonderen Ausnahmefällen! (Wenn die Medikamente zur Standard-Therapie der Erkrankungen zählen, wie z.B. ASS nach einem Herzinfarkt). Aber, und das ärgert mich als Allergologen besonders, wird der Heuschnupfen z.B. nicht als Krankheit aufgefasst, d.h. rezeptfreie Allergie-Tabletten (Antihistaminika) können nicht verordnet werden.
Ausnahme: Kinder bis zum 12. Lebensjahr.

Heilmittel (z.B. Krankengymnastik/Massagen)

Auch hier wird wieder eine Kostenbeteiligung von mindestens 5 Euro pro Rezept plus 10% der Kosten fällig.
Zum 1.7.2004 sind wiederum neue Heilmittelrichtlinien erstellt worden, es wurden neue Formulare notwendig (früher hatten in Deutschland die Formulare eine eindeutig längere Halbwertszeit :-( ) und die Richtlinien sind restriktiver geworden.

Fahrkosten

Fahrkosten zur ambulanten Behandlung werden in der Regel nicht mehr übernommen. In Ausnahmefällen kann nach vorheriger Genehmigung durch die Krankenkasse der Transport teilweise übernommen werden, dann müssen Sie aber in jedem Fall 10% der Kosten tragen, und zwar mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro.
Einige der Voraussetzungen:
Schwerbehindertenausweis mit dem Merkmal aG (außergewöhnlich gehbehindert), Bl (Blind) oder H (hilflos) oder
Pflegestufe II oder III.
Zusätzlich: Der Patient leidet an einer Grunderkrankung, die eine bestimmte Therapie erfordert, die häufig und über einen längeren Zeitraum erfolgen muss.

Fahrten zur ambulanten Dialyse, Krebsbestrahlungen oder zur Chemotherapie können als Ausnahmefall weiter verordnet werden.

Krankenhausbehandlung

Bei Krankenhausbehandlung und bei Reha- und Mutter-Kind-Kuren zahlen Sie künftig pro Tag 10 Euro zu.

Hilfsmittel

Für Hilfsmittel (Verbandszeug, Kompressionsstrümpfe, Bandagen, Einlagen u.a.) zahlen Sie künftig 10% zu, und zwar mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro pro Verordnung.

Häusliche Krankenpflege

Der Eigenanteil beträgt auch hier 10% der Kosten sowie 10 Euro pro Verordnung.

Brillen

Sehhilfen werden nur noch für Kinder und Jugendliche bezuschusst.

Gebührenbefreiung

Patienten müssen generell nicht mehr als 2% ihres Brutto-Einkommens für Zuzahlungen ausgeben, schwer chronisch Kranke nur 1%.

Wer ist chronisch krank? Auch diese Frage wurde erst nach Inkrafttreten des Gesetzes geklärt!
Schwer chronisch krank ist, wer sich in ärztlicher Dauerbehandlung befindet (mindestens 1 Arztbesuch pro Quartal wegen der gleichen schweren Erkrankung) und
entweder pflegebedürftig der Stufe II oder III ist oder
mindestens 60% schwerbehindert oder erwerbsgemindert ist oder
eine kontinuierliche Behandlung notwendig ist, ohne die eine lebensbedrohliche Verschlimmerung der Erkrankung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität zu erwarten ist.

Nach meiner Einschätzung sind damit die großen Volkskrankheiten wie Bluthochdruck (ohne Behandlung kürzere Lebenserwartung), Diabetes (lebensbedrohliche Verschlimmerung der Erkrankung) und degenerative Gelenkbeschwerden (dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität) eingeschlossen.

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